Traurige Erfahrungen bei Kolik

Kolik bei Pferden von Camilla…

Montag Abend, der 22.10.07:

Bevor ich fahre, warte ich bei Kat auf Dr. S. Ich bitte ihn eindringlich, dass er mich anruft, wenn sich Kats Zustand verschlimmert. Sie steht in der Ecke, wirkt abwesend. Ich streichle sie und fahre. Ich wünschte, ich wäre da geblieben.

Wir wollten um 22.00 Uhr noch mal telefonieren, Dr. S. und ich, wegen der Blutwerte. Meine Freundin und ich verquatschen uns am Telefon, ich rufe die Klinik erst 23.15 Uhr an, 2 Mal, ich erreiche niemanden mehr. Ich liege nachts wach und frage mich, wie es Kat geht, ob sie es schafft. Ich versuche, zuversichtlich zu sein.

Dienstag Früh, der 23.10.07:

7.15 Uhr: Wieder erreiche ich in der Klinik niemanden. Erst um 8.00 Uhr Frau A., die gerade zum Dienst kommt. Sie will mir nach der Visite Bescheid geben, Kat stände in ihrer Box, mehr könne sie mir nicht sagen. Ich fahre 8.45 Uhr zum Dienst, ich habe ein Hilfeplangespräch im Jugendamt. Alle anderen Termine habe ich für heute abgesagt. Warum bin ich bloß zu diesem Termin gefahren?

Warum habe ich das bloß getan? Warum bin ich nicht gleich zu Kat? Wie konnte ich so gedankenlos sein? Ich bin so schlecht. Ich war nicht für sie da. Während des Gesprächs im Jugendamt ruft Frau A. mich an: Es sähe nicht gut aus, der Dünndarm arbeitet nicht. Es gibt eine Chance, Kat noch mal abzulegen, den Darm zu massieren, so dass er in Gang kommt. Sie können sie am Leben erhalten, den Darm immer wieder leeren, weil der Inhalt in den Magen zurückgespült wird, aber das ist keine Lösung. Vom Kreislauf sei Kat stabiler als vor der ersten OP. Die Blutung im Bauchraum habe aufgehört. Sie gibt mir eine halbe Stunde Bedenkzeit, Kat stände schon im Vorraum zum OP.

Warum habe ich im Jugendamt nicht gesagt, dass ich sofort los muss?

Warum habe ich Frau A. nicht gebeten, auf mich zu warten?

10.30 Uhr: Ich gebe Frau A. meine Einwilligung, fahre los.

Als ich in der Klinik bin, kommt mir eine Assistentin entgegen – obwohl sie nichts sagt, weiß ich, dass es schlecht aussieht. Ich gebe Bescheid, dass ich auf dem Klinikgelände bin.

Ich sitze im Auto und warte. Während der Fahrt und jetzt, wo ich warte, habe ich nur an Kat gedacht. Ich habe fest gehofft, dass sie es schafft. Ich hatte kein schlechtes Gefühl.

Während ich mit Frau G. telefoniere, hat die Klinik mehrmals versucht, mich zu erreichen. Ich springe aus dem Auto und renne hin. Schon alleine die Ansage auf meiner Mobilbox – ich weiß, es sieht schlecht aus.

Eine Ärztin im Stall meint, ich soll schnell zum OP, 2 Assistenten kommen mir entgegen, ob ich reinkommen könnte, die Operateurin wolle mit mir sprechen. Ich nicke. Kat hängt in der Maschine, mit grünen Tüchern zugedeckt, ihr Bauch ist offen, ich sehe alle Därme, auf dem Boden läuft blutiges Wasser. Der Raum ist voller Menschen, ich sehe die Operateurin und Frau A. in ihren Kitteln über Kat.

Die Operateurin erklärt mir, es gäbe keine Chance mehr, der Darm sei tot, arbeitet nicht mehr, nicht mehr nur ein kleines Stück. Sie hält die Därme hoch. Sie hätten den Dünndarm leer geräumt. Es gäbe keine Peristaltik mehr, das Pferd würde innerlich ertrinken, zulaufen. Das Herz und die Atmung, alles würde funktionieren, aber nicht der Darm. Es wäre Quälerei, Kat noch mal wach werden, sie aufstehen zulassen. Sie könnten nichts mehr tun. Sie hätten jede kleine Chance genutzt. Hinter mir stehen zwei Assistenten, ich starre auf Kat, ich sehe Frau A. an, sie schüttelt den Kopf. Ich fange an zu weinen, ich frage, ob wirklich nichts mehr getan werden kann. Die Operateurin erklärt noch mal. Ihr Rat ist Kat jetzt, während sie in der Narkose schläft, einzuschläfern.

Die Frau an Kats Kopf, die ihre Atmung kontrolliert, winkt mich zu sich. Ich kann kaum hinsehen. Kats Zunge hängt raus. Ihre Vorderbeine sind befestigt. Ihre Augen sind halb geöffnet. „Fassen Sie sie an, sie ist ganz warm. Schläfern Sie sie ein. Sie ersparen ihr damit unnötiges Leid. Sie bekommt eine Spritze und schläft ein.“

Ich gehe dicht an Kats Kopf, halte ihren Kopf an beiden Seiten, es schüttelt mich. Der Arzt hinter mir meint, ich soll rausgehen, wenn sie die Spritze bekommt: „Nein, ich gehe nicht raus.“ „Dann bleiben Sie hier. Es kann sein, dass sie Schnappatmung bekommt.“

Die Frau meint, sie müsste an Kats Hals, ich muss rücken, lasse meine Hand an ihrem Fell, sehe aus den Augenwinkeln, wie Kat die Spritze in ihre Kehle bekommt. Die Geräte laufen noch kurz. „Es ist vorbei.“, sagt die Frau. Ich lasse Kat nicht los, weine stark. Der Arzt hinter mir meint, ich könne hier nicht ewig stehen, sie bräuchten den Platz für die nächste OP.

Er will mich wegschieben, aber ich lasse Kat nicht los. „Sie will das Pferd nicht loslassen.“ Die Operateurin zieht ihre sterile Kleidung aus. „Kommen Sie, wir gehen gemeinsam raus und ich erkläre Ihnen noch mal.“

Ich streiche über Kats Hals und gehe mit der Frau in den Flur.

Kat wird auf eine andere Platte gerollt, mit einer Plane abgedeckt und später von einem LKW zur Tierkörperverwertung abtransportiert und dort verbrannt. Frau A. hat sie zugenäht. Das habe ich noch gesehen. Ich habe nichts von Kat mitnehmen können.

Die Operateurin und Frau A. sitzen mit mir auf dem Flur, wollen mir erklären, dass ich richtig gehandelt habe. Ich sage zu beiden „Ich war morgens nicht da.“ Sie meinen, Kat wäre sehr in sich gekehrt gewesen, wahrscheinlich hätte sie mich nicht mehr wahrgenommen. Ich glaube das nicht. Ich habe sie alleine gelassen. Frau A. rät mir zu warten bis Kat rausgeschafft wurde, ich soll nicht unter die Plane sehen. Ich kann sie jederzeit anrufen, wenn Fragen auftauchen.

Am Samstag bin ich noch mit Kat im Wald gelaufen. Sie hat Müsli mit Bananen gefressen. Als ich sie auf die Wiese gelassen habe, ist sie gleich fröhlich losgelaufen. Samstag Abend war ich mit meiner Schwester in Berlin zum Ballett, wir kamen erst um 0.30 Uhr ins Bett – lag Kat zu der Zeit schon? Wie lange hatte sie Schmerzen? Wie sehr hat sie sich alleine gefühlt? Wie lange hat es sich für sie angefühlt bis sie morgens um halb 8 gefunden wurde? Ich war Sonntag früh wach, bevor der Anruf kam, Kat stände nicht mehr auf.

Mit drei Tierärzten habe ich telefoniert, Frau F. meinte, sie könne vor 9.00 Uhr nicht da sein. Ich dachte, es hätte etwas mit ihrem entzündeten Zeckenbiss zu tun. Kat hatte die ganzen Jahre nur 2 leichte Koliken gehabt.

Als ich im Stall ankam, hatten sie Kat in eine Box gebracht. Sie sah elend aus. Klatschnass, am Zittern, mit hängendem Kopf. Ich habe mich sehr erschrocken. Rannte, um ihre Decke zu holen. Bin mit ihr auf den Platz zum Führen, sie wollte nicht laufen, die Sonne kam raus.

Als Frau F. kam, hat sie Kat rektal untersucht: Sie sei verstopft, Sandkolik. Nasenbremse drauf, Sonde bis in den Magen geschoben, Wasser/Paraffinöllösung, damit die Verstopfung sich auflöst. Kat bekam 2 Spritzen gegen die Schmerzen.

2,5 h bin ich mit ihr draußen spazieren gegangen – ich dachte, ich muss mit ihr laufen bis sie äppeln kann. Was muss sie für Schmerzen gehabt haben? Warum habe ich nicht früher gehandelt? Warum wusste ich so wenig?

Wir stehen in der Halle, inzwischen ist es 11.30 Uhr. Kat steht, lässt den Kopf hängen, kann sich nicht hinlegen, sie macht Geräusche, als müsste sie gleich brechen – das war der übervolle Magen. Und ich wusste das nicht. Er hätte platzen können und Kat wäre gestorben.

Ich weiß nicht, ob ich von mir aus Frau F. mittags angerufen hätte, vielleicht hätte ich abgewartet – ich habe zu spät, zu wenig gehandelt, war zu passiv, habe mich nicht genügend eingesetzt.

Eine andere Einstellerin kommt in die Halle, drängt mich die Tierärztin anzurufen, ihre Stute sei an Sandkolik verstorben. Frau F. kann nicht vor 14.00 Uhr da sein. Sie rät zur Klinik, nachdem die Einstellerin ihr Kats Symptome geschildert hat, nicht ich.

Ich renne los, begreife langsam, wie ernst es ist.

Frage mich durch, stehe bei den Stallbesitzern in der Küche, telefoniere wegen eines Hängers. Die Einsteller, die Kat von unserem früheren Stall abgeholt haben, erklären sich widerwillig bereit. „Wieder am Sonntag. Wir sind kein Fuhrunternehmen. Das sind aber dieses Mal 80 €. Wir müssen erst tanken.“

Zwei Kliniken rufe ich an – wir müssen nach Z., die andere operiert keine Koliken. Z. bedeutet eine knappe Stunde Hängerfahrt. Ich weiß nicht, wie Kat das durchgestanden hat.

Irgendwann ist der Hänger da, wir schieben Kat auf den Hänger – ich hoffe, sie äppelt wie sonst auch wegen der Aufregung, aber nichts passiert. Mit Herrn S. fahre ich hinter Kat her. Die Klinik habe ich informiert. Ich sehe Kat im Hänger schwanken, habe Angst, dass sie umkippt und sich festlegt. Was muss sie für Schmerzen gehabt haben. Seit nachts. Und ich bin noch mit ihr durch den Wald gegangen und habe sie kurz angetrabt, da ich hoffte, sie könnte äppeln. Habe ich dadurch alles verschlimmert?

Wenn ich sie früher auf Diät gesetzt hätte, hätte sie dann keine Fettgeschwülste bekommen?

In der Klinik. Ich führe Kat vom Hänger. Während der Fahrt vor den roten Ampeln habe ich sie gerufen und sie hat in Panik wiehernd geantwortet. Ich führe sie in den Untersuchungsraum. Mindestens 5 Frauen wuseln um uns herum. Die aufnehmende Ärztin ist Frau A.

Kat kommt in den Ständer – rundherum zu, breite Bänder über ihre Schultern, damit sie nicht steigen kann. Ich stehe an ihrem Kopf und halte sie. Ich denke, das kann nur ein Alptraum sein.

Kat wird rektal untersucht. Frau A. kann ihre Milz nicht finden. Der Sand wäre zweitrangig, das Problem wäre etwas anderes. Kat wird rasiert, am Hals und unterm Bauch. Sie bekommt die Nasenbremse drauf, während ihr in den Hals ein Zugang gelegt wird. Sie hat Panik in den Augen. Ihr wird Blut abgenommen. Ihr Kreislauf ist schlecht. Die Schleimhäute sind blass. Ihr wird wieder eine Sonde in den Magen geschoben, die liegen bleibt. 5 Eimer laufen voll mit Mist, der in den Magen zurückgelaufen ist. Es stinkt.

Frau A. bereitet mich darauf vor, dass wahrscheinlich nur eine OP helfen kann. Rund 2000 €. Sie schallt Kats Bauch. Dann punktiert sie den Bauch. Es soll nur etwas Flüssigkeit kommen, bernsteinfarben. Bei Kat läuft es raus, blutvermischt. Ganz schlecht.

Ich willige zur OP ein, Frau A. telefoniert, es soll in 30 min losgehen. Ich stehe an Kats Kopf, gebe noch meine Nummer durch, dann sackt mir der Kreislauf weg. Man setzt mich auf einen Stuhl 2 m von Kat entfernt, ob ich nicht raus will an die Luft, ich schüttel den Kopf und sehe Kat an, wie sie in dem Ständer steht. Ich kann jetzt nicht schwach sein. Nachdem ich etwas getrunken habe, stehe ich wieder auf und gehe zu ihr.

Der OP Saal ist vorbereit. 2 x frage ich, ob ich bei Kat bleiben darf bis sie schläft, aber ich werde abgewiesen. Eine Helferin führt Kat an ihrem Strick in den OP, ich stehe davor, sehe mein Pferd und kann nicht bei ihr sein. Frau A. schließt die OP-Tür. Ich stehe draußen, zittere, mir ist so kalt. Ich weine.

Meine Schwester und Herr S. warten draußen. Ich möchte nicht vom Klinikgelände. Wir warten.

Ich werde gerufen. Ob ich reinkommen könnte, aber ich müsste nicht, wenn ich es nicht sehen könnte. Ich möchte rein.

Kat auf dem Rücken, hängt, ihr Bauch ist weit geöffnet, ich sehe den Darm arbeiten. Die Operateurin erklärt, hält ein Stück roten Darm hoch, der tot sei und rausgeschnitten werden müsste. Kat hätte 2 Fettgeschwüre, die hängen an einem dehnbaren Stiel und einer davon hat sich Samstag Nacht um den Darm gewickelt, ihn abgeschnürt. Deswegen sei im Dickdarm alles vertrocknet und sie hätte nicht äppeln können. Die Chance ist, das Stück Dünndarm rauszuschneiden – Kosten 4000 € mit 14-tägiger Nachsorge in der Klinik. Ich nicke und gehe raus. Frau A. meint, die OP dauert noch 3 h, ich soll fahren, sie meldet sich.

Auf der Rückfahrt bekomme ich Migräne, muss brechen, die anderen sitzen in meiner Küche und essen. Ich liege im Bett und friere trotz Wärmflache und Decke, denke an Kat. Abends ruft Frau A. an: Kat stände. Pferde würden sich oft nach der Narkose verletzen, da sie in Panik davonrennen wollten. Kat hätte sehr getobt, sich gerollt, dabei ihr Auge verletzt, aber mehr nicht. Die OP wäre gut verlaufen, Kats Kreislauf hätte es geschafft, eine Tendenz könne sie mir nicht sagen. Wenn ich möchte, kann ich vorbeikommen.

Um 22.00 Uhr fährt Herr S. mich, ich will zu Kat. Frau A. und 3 weitere sitzen an ihrer Box. Sie sieht schlimm aus. Aus ihrem Bauch tropft Blut. Ich kann erst nicht hinsehen. Es ist eine Blutung aufgetreten, die sie nicht einschätzen können. Es gibt 4 Probleme: Der verstopfte Dickdarm, der Dünndarm muss anlaufen, die Blutung und Kats Kreislauf. Kat steht immer noch mit Schmerzen, leidet still vor sich hin. Ich kann nichts tun. Hätte ich bei ihr bleiben sollen?

Wie hat sie das bloß getragen?

Montag früh – ich telefoniere mit Frau A. Kat hätte noch 2 h nachdem ich gefahren sei gekolikt, dann hätten die Schmerzmittel endlich gewirkt. Ich kann ab 10.00 Uhr kommen. Kat macht einen fast munteren Eindruck, blubbert und bettelt um Futter. Sie sieht wach aus und fast wie immer.

Ich bleibe mit Unterbrechung bis 20.30 Uhr. Mittags bekommt sie ein sedierendes Medikament, damit die Blutung aufhört. Die Assistentin hat den Abfluss geöffnet und Kats Blut aus dem Bauchraum läuft in den Eimer. Kat schwankt von dem Medikament, ich habe Angst, dass sie umfällt, werde weggeschickt, damit Kat vollkommen Ruhe hat. Ich wäre lieber bei ihr geblieben.

Nachmittags ist Arztwechsel – beide Männer gefallen mir nicht. Frau A. erklärt mir viel, den beiden Ärzten muss ich alles aus der Nase ziehen. Nachmittags ging es Kat schlechter. Der Dünndarm ist nicht zu hören, sie bekommt mehre Infusionen, das Gerät läuft. Kat fängt an zu schwitzen. Ihre Hinterhand zittert. Das Medikament wird wieder abgesetzt.

Warum bin ich nach Hause gefahren? Ich hätte bei ihr bleiben müssen. Ich habe sie alleine gelassen…

„Oft habe ich Camillas Bericht gelesen und jedes Mal kamen mir die Tränen.. Nein, Camilla muss sich keinen Vorwurf machen, nein, niemand weiß in dieser Situation, dass sie so ausgehen könnte und nein: Niemand rechnet damit, dass diese so ausgeht! Ganz harmlose Dinge können zu Horrorszenarien motieren: Niemand weiß, was kommt…“

Eine ganz andere Ursache einer tödlich verlaufenden Kolik beim Pferd schildert Steffi…

Liebe Frau Nehls, vielleicht erinnern sie sich noch an unser Beratungsgespräch hinsichtlich meines Pferdes Asterix, der damals mit Koliksymptomen noch am selben Abend von uns in die Klink gebracht wurde und dem letztlich dort auch nicht mehr geholfen werden konnte, so, dass ich ihn unter vielen, vielen Tränen einschläfern lassen musste? Es hat mich zerrissen, ihn für immer gehen zu lassen.. Es war für mich das Schlimmste, was ich bisher je erlebt habe! Was mich aber im Nachhinein so wahnsinnig wütend macht, ist die Sinnlosigkeit seines Todes. Hätte man mich von tierärztlicher Sicht mehr aufgeklärt, dann würde er heute noch leben. Mittlerweile wissen wir nämlich, woran er gestorben ist und ich bin so erschüttert: Sie hatten mich damals hinsichtlich der Entwurmungen befragt. Ich konnte eine regelmäßige Entwurmung bejahen. Sie wiesen mich damals aber schon darauf hin, dass es bedeutsam wäre, auch speziell gegen Bandwürmer zu entwurmen. Ich war eigentlich der Meinung, dass mit den Wurmkuren Asterix ausreichend geschützt sei, zumal ich gar nicht wusste und auch nie von meinen Tierärzten darauf hingewiesen wurde, dass man auch gegen Bandwürmer entwurmen sollte. Aber nein: Es wurden über ¾ Jahr hinweg zahlreiche Bluttests, Schilddrüsentests, Spezialfutter etc. verordnet und nichts half. Heute wissen wir warum: Das Kuriose, was mir meine Tierärztin mitteilte, war, dass es einen Wert im Blutbild gibt, der bei einem Wurmbefall erhöht sein müsse, was aber letztlich laut Laborbefund nicht der Fall war (Anmerkung C. Nehls: dies sind die Eosinophilen).

asterix

Das Ende vom Lied war, dass Asterix massiv von Bandwürmern befallen war, daher auch am Ende diese Koliksymptomatik. Die Bandwürmer haben die Darmwand so stark geschädigt, dass die natürliche Barriere zur Abwehr von Keimen und Bakterien nicht mehr gegeben war. Sämtliche Organe (Leber, Milz, Darm, ZNS) wiesen eine Infektion mit Streptokokken auf. Am Montag hatte er dann kurz vor seinem Tod zwei Krampfanfälle, die aussahen, wie Epilepsie. Grund dafür war aber schon eine Entzündung der Hirnhäute. Der Kliniktierarzt bekam ihn zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr stabil und Asterix Aufstehversuche verliefen unkontrolliert und erfolglos, so dass er immer wieder stürzte und er war gar nicht mehr ansprechbar und es war auch kein Ohrenspiel mehr zu erkennen. Das war für mich so schlimm, dass ich den Boxenbereich verlassen musste, weil ich es nicht ertragen konnte, wie er immer wieder hinfiel. Am Ende hatte er einfach keine Kraft mehr und er sah so wahnsinnig dünn und geschunden aus und er hatte sich wirklich genug gequält. Aber es war eine unsagbar schwere Entscheidung und ein so schmervoller Abschied, der mich lange Zeit kosten wird, um das alles zu verarbeiten, weil ich ihn so sehr vermisse. Er war einfach für mich das tollste Pferd und es gab nichts, was ich jemals an ihm hätte ändern wollen.

Was ich so unglaublich finde, muss es denn sein, dass ein Pferd in der heutigen Zeit aus den o. g. Gründen stirbt? In meinen Augen haben die Tierärzte hier gründlich versagt. Wenn ich gewusst hätte, dass ihm mit einem so einfachen Mittel wie einer speziellen Wurmkur geholfen werden kann, wäre es doch für mich die selbstverständlichste Sache der Welt gewesen, ihm diese zu geben und es wäre nie so weit gekommen. Ich wusste immer, da stimmt etwas nicht; doch kein Tierarzt konnte mir sagen, was.. Ein Befall mit Bandwürmern wird laut Kliniktierarzt immer als allerletztes in Betracht gezogen, wenn überhaupt. Daran wird so gut wie gar nicht gedacht und dieser wird auch kaum in Erwägung gezogen.

Was mich so sehr ärgert ist, dass Sie, ohne jemals das Pferd gesehen zu haben, nur aufgrund meiner geschilderten Symptomatik aus Ihren Erfahrungen heraus, diese Möglichkeit mit Bandwurmbefall in Erwägung gezogen haben, denn letztlich waren ja etliche Organe betroffen, so dass diese nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten konnten und sich daraus sein trauriges Erscheinungsbild ergab. Aber die Tierärzte, die ihn regelmäßig behandelten, kamen nicht annähernd auf diese Idee und das ist es, was mich so unendlich wütend macht!

Asterix ist ja für mich nicht nur ein herber materieller Verlust, wo jetzt noch ca. 900,00 Euro Klinikkosten für mich hinzukommen. Emotional kann man diesen Verlust nicht wieder gutmachen.

Ich hatte mich noch auf so viele Jahre mit ihm gefreut, aber: Sie waren uns leider nicht vergönnt!

Es danken Ihnen herzlich Ihre drei neuen Fans Steffi Hülse

„Steffi schämt sich, den negativen Touch zu besitzen, wenn sie ausspricht, woran Asterix gestorben ist, nämlich letztlich an einem massiven Bandwurmbefall. Nein Steffi: Hierfür brauchst Du Dich nicht zu schämen!

Steffis Wunsch ist, dass Asterix ein Zeichen setzt: Ein Zeichen, dass von Seiten der Tierärzte und Pferdebesitzer einfach ein größeres Augenmerk auf den Schutz der Pferde gegen Bandwurmbefall gelegt werden muss und dass ein Tierarzt Ursachen in Erwägung zieht und näher betrachtet. Ich glaube: Asterix wird ein Zeichen setzen!

Mein Wunsch ist, dass der Pferdebesitzer früher auf mich zukommt. Leider konnte ich Asterix nicht mehr helfen, was eine Woche früher ggf. noch gelungen wäre, auch vielen anderen Pferden konnte ich nicht mehr helfen, da es hierzu einfach zu spät war!“

Rebecca Braun schrieb zur Kolik bei ihrem Pferd

Hallo, ich bin eher durch Zufall auf Deine wunderschöne Seite gestoßen. Auch ich musste meine liebe Soly gehen lassen. Am Freitag sind es 4 Wochen. Alles fing so „harmlos“ an. Meine Freundin rief am 18.03.2008 bei mir an. Soly hätte eine Kolik. Ich wusste sie ja in guten Händen bei ihr, machte mir keine Gedanken.

19.03.2008: Sie rief mich wieder an. Der Tierarzt will die Verantwortung nicht mehr tragen, sie sollte in eine Klinik. Immer noch machte ich mir keine Gedanken. Später rief sie wieder an. Es wäre ratsam, sie in die nahe Pferdeklinik zu bringen, da könnte man im Notfall operieren. Ich zögerte, mochte ich diese Pferdeklinik nicht, aber was blieb mir übrig??

20.03.2008: Die Klinik rief mich an. Sie hätten nichts Auffälliges bei der Untersuchung gefunden, Darm würde normal arbeiten. Aber sie würde eben oft liegen, sei apathisch und zeige Schmerzen. 21.03.2008: Karfreitag. Die Klinik rief mich an: Es stünde sehr schlecht um sie, ich müsse mich entscheiden, für oder gegen eine OP. Da es sich um eine rein diagnostische OP handeln sollte und die Gefahr einer chronischen Kolik bestand, lehnte ich ab. Ich wollte nicht, dass man mein Pony auf schneidet und sie letztendlich nur noch mehr leiden würde. Ich bat meinen Freund mit mir hin zu fahren:

Sie machte auf mich einen guten Eindruck. Ich graulte sie, putzte sie, summte ihr ihr Lied vor (Simon And Garfunkle Teh Boxer). Nach 3 Stunden in Eiseskälte fuhren wir wieder heim.

Soly wurde noch an diesem Abend an ein hochdosiertes Schmerzmittel gehangen.

22.03.2008 bis 24.03.2008: Ostern.  Morgens bekam ich den Anruf, alles gut, sie frisst, nicht viel, aber sie frisst und geäppelt hat sie auch. Nachmittags der Anruf, schlecht, apathisch, zeigt deutlich Schmerzen, trotz Schmerzmittel.

Ich wusste, dass ich sie nie wieder sehen werde; also fuhr ich am Ostermontag zu ihr. Ich durfte mit ihr über das Gelände spazieren. Sie war wach, aufmerksam, interessiert. Ich habe es geahnt, aber als ich sie so sah, habe ich es nicht wahr haben wollen. Das war mein letzter Kontakt zu meiner Soly.

25.03.2008: Klinik. Sie wollen eine Magenspiegelung machen. Ich gab mein OK.

3 Stunden später: Ohne Befund. Sie bekommt Darm anregende Medikamente und Abführmittel.  26.03.2008 morgens: Super, sie hat geäppelt und frisst, schaut gut aus. Nachmittags: schwach, liegt, apathisch, schmerzhaft. Noch einmal dasselbe.  Ich wollte dann erst am 28.03.2008 anrufen.

28.03.2008 morgens beim Frühstück: Telefon. Ich ahnte es. Ich ahnte, dass es jetzt soweit war. Mein Freund gab mir das Telefon: Apathisch, Liegen, nicht fressen, nicht geäppelt, Schmerzen trotz Schmerzmittel,

Entscheidung: Ich konnte nur mhm sagen. Und das ich gleich anrufen werde. Ich schickte meinen Freundinnen noch ne SMS. Wollt ihr sie noch mal sehen? Wenn ja, dann jetzt. 10:54 Uhr SMS: Nein, wir können das nicht!

Ich selber bin nicht runter gefahren. Ich bin schwanger und ich hätte das nicht durchgestanden, zumal sie sich mir gegenüber immer topfit gegeben hat.

11:00 Uhr: Mein Freund ruft in der Klinik an, ich schaffe es nicht mehr: Erlöst sie! Ich sitze aufm Sofa, Tränen verbrennen meine Haut. Starre auf die Uhr. Um kurz nach halb zwölf kommt die Sonne raus und scheint mir ins Gesicht. Ich ahnte es. 11:40 Uhr Klinik: Soly ist um 11:33 Uhr friedlichst, ohne Kampf oder Qual eingeschlafen. Da wusste ich, die kleine Schnecke hat mich besucht, hat auf Wiedersehen gesagt und Danke vielleicht auch.  Soly wurde obduziert. Sie hatte etliche Koliken gehabt. Einige Stellen im Darm waren bereits abgestorben. Eine OP, selbst am Karfreitag hätte ihr nicht mehr geholfen:

Sie wurde als Biotonne genutzt. Wir haben schimmeliges Brot und gammelige Möhren auf der Weide gefunden. Laut den TA in der Klinik können die Koliken daher gekommen sein. Am 01.04.2008 musste ich Soly’s 2jährige Tochter mit Kolik in die Klinik bringen… wieder fanden wir verschimmeltes Brot…. Aber zum Glück konnte ich sie gesund und munter am 03.04.2008 wieder heim holen. Ja, das war meine Geschichte. Soly ist auf den immergrünen Weiden…. aber vermissen tu ich sie schrecklich. Sie schenkte mir 10 Jahre und 5 Tage, eine wunderschöne Zeit. Sie wäre am 23.05.2008 13 Jahre alt geworden.

„Nein: Ich vergesse diese Berichte nicht und Ja: Ich werde ganz bestimmt noch vehementer dafür kämpfen, dass der Pferdebesitzer am anderen Ende des Telefons, dass der Pferdebesitzer, der meine Ergebnisse der Haaranalyse liest, den Ernst der Situation erkennt und Ja: Ich werde mich ganz bestimmt manchmal damit unbeliebt machen, weil ich über eventuelle Gefahren aufkläre, wenn nicht sofort gehandelt wird, da das Handeln manchmal auch unbequem ist.“

„Mein Resümee ist: Das Leben kann innerhalb weniger Sekunden vorbei sein und das sollte uns Allen sehr bewusst sein! Manchmal gibt es keinen Morgen, manchmal gibt es keine Chance, manchmal müssen wir sofort handeln, manchmal müssen wir Risiken eingehen.. Und eines sollten wir immer: Das Leben schätzen.. Die Gesundheit versuchen zu erhalten.. Wir müssen dankbar sein, wenn unser Pferd eine lebensbedrohliche Erkrankung überlebt und wieder gesund wird; leider wird dies nur allzu oft als selbstverständlich angesehen. Nein: Dies ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein großes Glück, was wir schätzen lernen sollten! Meist wird die lebensbedrohliche Situation nur allzu schnell wieder vergessen und da weiter gemacht, wo die Gesundheit des Pferdes zuvor Grenzen setzte!“

Traurige Erfahrungen bei Kolik